ATEM

Bewegung von Luft. 20.000 Mal am Tag. 12 Kubikmeter Luft rein und raus.


Atmung des herzens

Nach Arbeitsstunden am Schreibtisch sinkt mein Rumpf zusammen. Die vorderen unteren Rippenbögen des Brustkorbs ziehen Richtung Bauchraum. Der Obere Rücken und die Schultern sind ganz rund. Die Vorderseite des Oberkörpers zusammengezogen, die Rückseite ausgedehnt. Die Fachwelt hat einen Begriff dafür: Homo Computerus. 

Solche Tage des Datenproduzierens wirken sich nicht bloß auf die Körperhaltung aus, sondern auch auf Herz und Geist. Das Hirn arbeitet unaufhörlich, liegt rein körperlich schon vor dem Herzen, marschiert voran. Der Herzraum ist nach hinten zur Wirbelsäule gedrängt. Der Atem stockt schon bei den ersten Rippenbögen. Das Zwerchfell (unser Atemhilfsmuskel) ist unterbeschäftigt. Dadurch gelangt auch weniger Sauerstoff in die Organe und Zellen. Ich bin deshalb auch ziemlich müde. Herz und Geist sind nicht mehr gleichberechtigt. Das Herz um das der Atem drückt ist schwer, das Gehirn überbelastet. Dank eines achtsamen / bewussten Moments für die Körperhaltung, das Erkennen der Müdigkeit richte ich mich auf. Fasse den Entschluss zu einer bewussten Atempause, gebe Herz und Geist den notwendigen Ausgleich. Ich setze mich gern auf den Boden in einer Grätsche. Aber die Übung kann auch auf einem Stuhl durchgeführt werden. 

Mit den Händen (Handflächen zueinander) vorm Herzzentrum, atme ich ein - zuerst vor allem in den Brustkorb, das Herzzentrum. Mit der Ausatmung schiebe ich die Hände auf Herzhöhe von mir weg, richte dabei auch den Kopf ein (Kinn ein wenig Richtung Brustbein ziehen, Ohren über die Schultern). Mit einer Einatmung öffne ich die Arme auf Schulterhöhe zu den Seiten, dabei wird der Brustkorb weit, die Schulterblätter ziehen zusammen und die Brustwirbelsäule kommt in Bewegung. Atme hier auch aus und nochmal ein. Ausatmend beuge ich die Ellbogen ziehe sie nach unten und hinter die Wirbelsäule, das hebt das Brustbein noch etwas weiter an und öffnet den Herzraum intensiv.  Atme in dieser Position wieder ein und aus. Mit einer Einatmung komme ich wieder mit den Händen in die Ausgangshaltung vors Herzzentrum. Halte einige Momente inne und lasse den Atem fließen. Einige Runden wiederhole ich die Herzatmung und versuche den Atem bei der Öffnung der Arme auf Schulterhöhe auch tiefer in den Bauchraum zu schicken. 

Give it a try: Du musst nicht gleich auf deinen nächsten Homo Computerus Moment warten, probiere die Übung gleich jetzt nach dem Lesen aus. Such dir einen Platz am Besten in der Natur oder bei geöffnetem Fenster. Spüre für einige Augenblicke wie es dir gerade geht, wie Herz und Geist zu einander stehen. Geht einer davon voraus? Was dominiert gerade deine Stimmung? Sind da viele Gedanken zu hören? Fällt es leicht auf das Herz zu horchen? Dann übe für einige lockere Runden die Herzatmung wie oben beschrieben. Wenn es dir anfangs Mühe bereitet Bewegung und Atmung zu synchronisieren, dann lass den Atem einfach frei fließen und konzentriere dich zuerst auf die Bewegung. Der Atem kommt und geht in seinem eigenen Rhythmus mit der Zeit versuche die Bewegung der Atmung anzugleichen. Wie beginnt sich der Herzraum anzufühlen, von einer Armbewegung zur nächsten? Spürst du Auswirkungen auf die Muskulatur im Rücken, im Nacken und entlang der Vorderseite des Brustkorbs? Was machen Schultern und Schulterblätter? Mit welchem Gefühl ist vielleicht das bewusste Atmen im Brustkorb und im Bauchraum verbunden? Was sagt dir dein Herz, wenn du die Übung beendet hast und einfach noch dasitzt und lauscht? 


Ein-Atem

... dieser Moment nach der Stille in der sich der Impuls für eine Einatmung regt. Die sachte Ankündigung unseres Körpers sich für die Fülle des Lebens zu öffnen. 

... dieser Moment in dem der Impuls und die Ankündigung zu einem Anfang wird und die Luft beginnt einzuströmen.

... dieser Moment in dem sich die Nasenlöcher dehnen als wollten sie die ganze Welt aufnehmen.

... dieser Moment in dem die Luft durch den Halsraum strömt und die Lungenflügel sich Richtung Schulterblatt, Schlüsselbein und Brustbein dehnen. 

... dieser Moment in dem die Lungenspitzen sich Richtung Bauchraum schieben, als wollten sie den Brustkorb ganz für sich und das Herz einnehmen. 

.... dieser Moment in dem sich der Beckenboden aktiviert um die Organe des Bauchraums aufzufangen als gebe er Ihnen eine Hängematte in der sie ruhen können. 

... dieser Moment der Fülle in der das Zwerchfell zu einer deutlichen Verbindung alles Leben im Rumpf wird. 

Soviele Augenblicke eines Einatemzugs gibt es zu entdecken. ... darüber hinaus noch viel mehr. 

*blessed by breath* heute habe ich mehr Klarheit über diese Worte, obwohl vieles Ungesagt blieb.

Give it a try: Konzentriere dich mit geschlossenen Augen auf deine Einatemzüge.

Wo spürst du den Atem? Welche Räume im Körper füllt er?  Wie fühlt sich das an? Was kannst du entdecken?