ATEM

Bewegung von Luft. 20.000 Mal am Tag. 12 Kubikmeter Luft rein und raus.


lungenzonen atmung mit fingerakupressur

„Jetzt kann ich wieder richtig atmen!“ freuen sich manche meiner Yogaschüler nach der gemeinsamen Stunde. Aber was ist wirklich passiert in diesen 1,5 Stunden frag ich mich manchmal und braucht es wirklich 90 Minuten Yoga um gut durchatmen zu können? Und noch wichtiger die Frage: Was ist in den Tagen davor passiert, dass uns fühlen lässt, nicht mehr richtig zu atmen? Was meinen wir eigentlich damit? Bei einigen zeigt, sich eine Verspannung und Verkrampfung der Atemmuskulatur, genauer des Zwerchfells, das in den vorgebückten Sitzhaltungen sich nicht in all seine Dimensionen entfalten kann. Bei anderen ist vielleicht eine starre Haltung des Oberkörpers ohne Drehungen der Brustwirbelsäule und Armstreckungen nach oben die Ursache für eine Verkrampfung der Zwischenrippenmuskeln. Dann atmet der Körper sehr oberflächlich mit kleinen Bewegungen im oberen Bereich des Brustbeins und das war’s dann.  Die Lunge wird nicht vollständig bewegt, die Luft bewegt sich also nicht durch das gesamte Bronchiensystem und erreicht nicht alle Lungenbläschen, d.h. wir bekommen zu wenig Sauerstoff ins Blut für eine erfrischtes und konzentriertes Arbeiten und Sein. Es ist gut zu wissen, dass eine Yogastunde helfen kann wieder mehr Bewegung in alle Bereiche der Lunge (Oben, Mitte und Unten) zu bringen und damit ein vollständiges Atmen und erfrischtes Chi oder Prana im ganzen Körper zu spüren. Kürzlich bin ich aber in einem alten Buch für Mudras auf eine kleine Fingerübung gestoßen, die in nur wenigen Atemzügen für die ganze Lunge und damit für den gesamten Organismus ist so erfrischend wie eine ganze Yogastunde ist.  Es gibt nämlich einen direkten Zusammenhang zwischen den einzelnen Fingern und den 3 Zonen der Lunge. Daumen und Zeigefinger sind mit dem oberen Teil der Lunge in Verbindung, die Mittelfinger dann logischerweise mit der Mitte und die Ringer- und kleinen Finger mit den unteren Lungenspitzen. Diese kleine Übung weitet die Bronchien, öffnet die Lunge und stärkt sogar das Herz. Wenn du dich müde oder unkonzentriert fühlst, erfrischt sie den Geist und unterstützt dich wieder in deine Kraft zu kommen. Ich mach sie jetzt gerne vor der Morgenmeditation, den sie erinnert mich an das Weiten und Aufblühen der Natur im Frühling. Neugierig geworden?

Give it a try: Nimm eine aufrechte Haltung im Sitzen oder Stehen ein. Gerne an der frischen Luft oder vor geöffnetem Fenster. Halte die Hände mit den Handinnenflächen zueinander gerichtet vor dem Brustkorb. Ellbogen gerne gebeugt und seitlich des Oberkörpers sanft angelegt. Lass die Finger locker und lass den Atem einströmen. Nimm die Bewegung im Brustkorb wahr. Lass den Atem wieder ausströmen. Nimm die Empfindungen im Brustkorb wahr. Dann spreiz die Finger von dir weg. Atme wieder ein und aus und beobachte, wie sich der Atem nun anfühlt. Schließlich bring die Spitzen von Daumen und Zeigefinger aneinander. Übe nur einen leichten Druck aus, lass dich anderen Finger weggespreizt. Nimm ohne Anstrengung ein paar Atemzüge hier, lass die Luft dabei frei ein- und ausströmen ohne sie zu lenken. Bemerke die Atemimpulse im Körper/Brustkorb. Dann lös die vier Fingerspitzen voneinander und bring die Spitzen der beiden Mittelfinger zueinander. Beobachte wieder für einige Atemzüge die Bewegungen im Brustkorb. Dann löse die Mittelfinger und wiederhole noch einmal ein paar bewusste Atemzüge lang mit den einem sanften Druck der beiden Ringfinger und der Kleinen Finger. 

Kannst du den direkten Bezug der einzelnen Finger zu den Lungenzonen erkennen?  Daumen und Zeigefinger bewegen Schultern und Schlüsselbeine – also mehr den oberen Bereich? Bewegen die Mittelfinger die Rippenbögen zu den Seiten und in die Achselhöhle hinein – also mehr den mittleren Bereich der Lunge? Ring- und kleiner Finger lassen eine deutliche Bauchatmung erkennen – bewegen somit das Zwerchfell? Wie fühlt sich das an? Was kannst du entdecken, wenn du diese Übung zur Auflockerung während des Arbeitstages machst? Erkennst du anhand dieses praktischen Übens auch noch andere Zusammenhänge in deinem Körper? 


Atmung des herzens

Nach Arbeitsstunden am Schreibtisch sinkt mein Rumpf zusammen. Die vorderen unteren Rippenbögen des Brustkorbs ziehen Richtung Bauchraum. Der Obere Rücken und die Schultern sind ganz rund. Die Vorderseite des Oberkörpers zusammengezogen, die Rückseite ausgedehnt. Die Fachwelt hat einen Begriff dafür: Homo Computerus. 

Solche Tage des Datenproduzierens wirken sich nicht bloß auf die Körperhaltung aus, sondern auch auf Herz und Geist. Das Hirn arbeitet unaufhörlich, liegt rein körperlich schon vor dem Herzen, marschiert voran. Der Herzraum ist nach hinten zur Wirbelsäule gedrängt. Der Atem stockt schon bei den ersten Rippenbögen. Das Zwerchfell (unser Atemhilfsmuskel) ist unterbeschäftigt. Dadurch gelangt auch weniger Sauerstoff in die Organe und Zellen. Ich bin deshalb auch ziemlich müde. Herz und Geist sind nicht mehr gleichberechtigt. Das Herz um das der Atem drückt ist schwer, das Gehirn überbelastet. Dank eines achtsamen / bewussten Moments für die Körperhaltung, das Erkennen der Müdigkeit richte ich mich auf. Fasse den Entschluss zu einer bewussten Atempause, gebe Herz und Geist den notwendigen Ausgleich. Ich setze mich gern auf den Boden in einer Grätsche. Aber die Übung kann auch auf einem Stuhl durchgeführt werden. 

Mit den Händen (Handflächen zueinander) vorm Herzzentrum, atme ich ein - zuerst vor allem in den Brustkorb, das Herzzentrum. Mit der Ausatmung schiebe ich die Hände auf Herzhöhe von mir weg, richte dabei auch den Kopf ein (Kinn ein wenig Richtung Brustbein ziehen, Ohren über die Schultern). Mit einer Einatmung öffne ich die Arme auf Schulterhöhe zu den Seiten, dabei wird der Brustkorb weit, die Schulterblätter ziehen zusammen und die Brustwirbelsäule kommt in Bewegung. Atme hier auch aus und nochmal ein. Ausatmend beuge ich die Ellbogen ziehe sie nach unten und hinter die Wirbelsäule, das hebt das Brustbein noch etwas weiter an und öffnet den Herzraum intensiv.  Atme in dieser Position wieder ein und aus. Mit einer Einatmung komme ich wieder mit den Händen in die Ausgangshaltung vors Herzzentrum. Halte einige Momente inne und lasse den Atem fließen. Einige Runden wiederhole ich die Herzatmung und versuche den Atem bei der Öffnung der Arme auf Schulterhöhe auch tiefer in den Bauchraum zu schicken. 

Give it a try: Du musst nicht gleich auf deinen nächsten Homo Computerus Moment warten, probiere die Übung gleich jetzt nach dem Lesen aus. Such dir einen Platz am Besten in der Natur oder bei geöffnetem Fenster. Spüre für einige Augenblicke wie es dir gerade geht, wie Herz und Geist zu einander stehen. Geht einer davon voraus? Was dominiert gerade deine Stimmung? Sind da viele Gedanken zu hören? Fällt es leicht auf das Herz zu horchen? Dann übe für einige lockere Runden die Herzatmung wie oben beschrieben. Wenn es dir anfangs Mühe bereitet Bewegung und Atmung zu synchronisieren, dann lass den Atem einfach frei fließen und konzentriere dich zuerst auf die Bewegung. Der Atem kommt und geht in seinem eigenen Rhythmus mit der Zeit versuche die Bewegung der Atmung anzugleichen. Wie beginnt sich der Herzraum anzufühlen, von einer Armbewegung zur nächsten? Spürst du Auswirkungen auf die Muskulatur im Rücken, im Nacken und entlang der Vorderseite des Brustkorbs? Was machen Schultern und Schulterblätter? Mit welchem Gefühl ist vielleicht das bewusste Atmen im Brustkorb und im Bauchraum verbunden? Was sagt dir dein Herz, wenn du die Übung beendet hast und einfach noch dasitzt und lauscht? 


Ein-Atem

... dieser Moment nach der Stille in der sich der Impuls für eine Einatmung regt. Die sachte Ankündigung unseres Körpers sich für die Fülle des Lebens zu öffnen. 

... dieser Moment in dem der Impuls und die Ankündigung zu einem Anfang wird und die Luft beginnt einzuströmen.

... dieser Moment in dem sich die Nasenlöcher dehnen als wollten sie die ganze Welt aufnehmen.

... dieser Moment in dem die Luft durch den Halsraum strömt und die Lungenflügel sich Richtung Schulterblatt, Schlüsselbein und Brustbein dehnen. 

... dieser Moment in dem die Lungenspitzen sich Richtung Bauchraum schieben, als wollten sie den Brustkorb ganz für sich und das Herz einnehmen. 

.... dieser Moment in dem sich der Beckenboden aktiviert um die Organe des Bauchraums aufzufangen als gebe er Ihnen eine Hängematte in der sie ruhen können. 

... dieser Moment der Fülle in der das Zwerchfell zu einer deutlichen Verbindung alles Leben im Rumpf wird. 

Soviele Augenblicke eines Einatemzugs gibt es zu entdecken. ... darüber hinaus noch viel mehr. 

*blessed by breath* heute habe ich mehr Klarheit über diese Worte, obwohl vieles Ungesagt blieb.

Give it a try: Konzentriere dich mit geschlossenen Augen auf deine Einatemzüge.

Wo spürst du den Atem? Welche Räume im Körper füllt er?  Wie fühlt sich das an? Was kannst du entdecken?