RITUALE

Es ist, wie es ist. Es wird, was du daraus machst.


kissen Ausschütteln

In der persischen Tradition ist im Frühling Zeit für Khane-tekani. Wörtlich übersetzt bedeutet das „Das Haus ausschütteln“. Im Burgenland sagte meine Oma einfach „Der Frühjahrsputz wartet“. Die Motivation für solch ein Ritual ist es das Zuhause von den alten, abgestanden Energien des Winters zu befreien und frische Luft bzw. Energie rein zu lassen. Die Idee dieses Rituals nutze ich jedoch jeden Morgen, egal zu welcher Jahreszeit, für mein Bett und Schlafzimmer. Die alte verbrauchte Luft der Nacht muss raus, das Fenster weit auf. Und vor allem wenn ich schlecht geschlafen habe, also der Schlaf unruhig war, dann schüttle ich besonders kräftig und ganz bewusst mein Kissen und meine Decke aus. Die miese Energie der letzten Nacht soll nicht im Kissen bleiben und mich weitere Nächte schlecht schlafen lassen. Die Bewegungen des Ausrüttelns und Durchklopfens des Bettzeugs setzt sich auch im Körper fort, auch hier folgt eine nachhallende Bewegung, in die Schultern, den Brustkorb und Herzraum und den Kopfraum hinein. Manchmal erinnert mich das auch ans Teppichausklopfen an der Teppichstange im Hof.  So ein herzhaftes durchschütteln „à la Frau Holle“ sorgt damit auch für eine Spannungsentladung der Energie im Körper. Wenn ich Gelegenheit habe, hänge ich die Decke und Polster auch in der Sonne im Freien zum Gute-Energie-Tanken auf. 

Vielleicht kommen jetzt Erinnerungen an die elterlichen Hinweise für die heranwachsenden Kinder, dass am Morgen das Bett gemacht gehört. Zu diesem Ritual gibt es unterschiedliche Erkenntnisse. Zum einen hat man festgestellt, dass Menschen die morgens ihr Bett machen, mit einem guten Gefühl in den Tag gehen. Erstens, weil sie schon etwas geschafft haben. Zweitens, weil sie von der geordneten, gereinigten Umgebung profitieren. Auf der anderen Seite empfiehlt man auch das Bett nicht zu machen, zumindest nicht auf die uns als Kinder üblicherweise angelernte Art und Weise. Denn das Machen des Betts, wie wir sie von Hotels her kennen: Bettdecke und Polster ausgebreitet über der Matratze und dann zusätzlich noch eine Tagesdecke darüber, das ist die perfekte Umgebung für Hausstaubmilben. Also Decke und Kissen zurückgeschlagen lassen, an die frische Luft hängen und das Bett nicht zu machen, wird Allergikern stattdessen empfohlen. 

Give it a try:  Kannst du aus diesen Erkenntnissen und Erklärungen dein eigenes Morgenritual in Zusammenhang mit frischer Energie für dein Bett und Schlafzimmer kreieren? 

Wie geht es dir damit bewusst und kraftvoll dein Kissen zu schütteln? Kannst du die Bewegungen dieses Tuns im Körper wahrnehmen? Fühlt sich vielleicht das Zu-Bett-Gehen anders an, wenn du am Morgen nicht nur aus der Pflicht und dem Ordnungsstreben, dein Bett gemacht hast? Wie schaut dein Bettmachen jetzt aus? Lass dich drauf ein zu erforschen mit welchem Gefühl du schlafen gehst und aufwachst, je nachdem ob du eher bewusst und mit einem höheren Sinn versehen, dein Kissen geschüttelt und dein „Bett gemacht“ hast oder auch nicht.  

 


FACIAL DRY BRUSHING / GESICHT TROCKENBÜRSTEN

Pro Jahr verlieren wir 3 Kilogramm Haut. Das sind 30.000 Hautzellen in der Minute. Wir können das größte Organ unseres Körpers bei dieser Meisterleistung unterstützen. In der Ayurveda werden regelmäßige Trockenmassagen als Heilanwendung nicht nur zum Abtragen der abgestorbenen Hautschuppen eingesetzt, denn es passiert dabei noch eine ganze Menge mehr. Die Haut ist nämlich auch Ausleitungsorgan von Säuren und Giften. Trockenbürsten hilft die abgestorbenen Hautpartikeln rascher zu entfernen und erleichtert damit die Hautatmung und Giftausscheidung. Durch diese Art der Massage öffnen sich die Poren der Haut und die Durchblutung, sowie der Lymphfluss werden verbessert. Das Abbürsten unterstützt so also auch die Haut bei der Selbstregulierung und Regenerierung, die ist wichtig, weil unsere Haut auch eine Barriere gegen das Eindringen von Erregern ist, uns vor Sonneneinstrahlung schützt und hier das so wichtige Vitamin D gebildet wird. Beim Bürsten wird zudem das Nervensystem aktiviert (, denn die Nervenenden in der Haut nehmen diesen Sinnesreiz genauso wie Berührungen auf und leiten ihn ans Gehirn weiter) und im Anschluss harmonisiert. Die Trockenbürstenmassage im Gesicht ist Teil meiner morgendlichen Gesichtspflege. Ich verwende dafür eine spezielle Gesichtstrockenbürste mit mittel-weichen 100% Naturborsten. Nach der Gesichtsreinigung lasse ich die Bürste über meine Gesichtszüge gleiten, danach fühlt sich alles stimuliert und erfrischt an. Ich warte dann noch ein paar Augenblicke und spüre nach bevor ich meine Gesichtspflege auftrage. 

Achtung: nicht bürsten auf verletzter oder irritierter Haut.  Je nach Hautsensitivität ist eine Bürstenmassage täglich oder auch nur alle paar Tage empfohlen. 

Give it a try: Achte auf saubere und trockene Haut und verwende leichte Bürstenstriche mit jeweils 3 - 5 Wiederholungen auf jeder Gesichtshälfte. Bürste mit sanftem Druck um die Augen und Augenbrauen in einer kreisförmigen Bewegung. Starte dann am Kinn und bürste hoch in Richtung Haaransatz. Gehe weiter nach oben zu Mund und Nase und streiche bis hin zu den Ohren.

Platziere die Bürste in der Mitte der Stirn und bürste horizontal in Richtung der Schläfen. Streiche zwischen den Brauen mit kurzen Bürstenstrichen nach oben. Starte am Anfang des Halses und streiche nach oben in Richtung Kinn. 

Was empfindest Du, wenn du dein Gesicht auf diese Art sanft „streichelst“? Kannst du vielleicht wohlige Wärme spüren? Ist es möglich zu erkennen in welchen Bereichen die Haut dünner, also sensitiver und wo sie dicker ist? Passiert vielleicht etwas mit deinen Mundwinkeln? Bekommst du ganz von allein einen neuen Gesichtsausdruck? Ziehst du vielleicht Fratzen während des Bürstens? Wie wirkt das auf dein Gemüt? Wie fühlt sich deine Gesichtshaut direkt nach der Massage an? Wie sieht sie aus? Welche Farbe hat sie? Wie wirken deine Gesichtsfältchen jetzt? Und konntest du vielleicht auch die abgestorbenen Hautschuppen sehen, die du weggebürstet hast? Ist deine Haut tatsächlich geschmeidig und weich? Oder fühlt sie sich an einigen Stellen irritiert an? Gibt dir das Hinweise auf die Intensität des Bürstens und hast du eine Idee was du beim nächsten Mal anpassen solltest? Und was verändert sich nach einer Woche, einem Monat, einem halben Jahr?

 


AUGENMASSAGE ZUR AKTIVIERUNG DES PARASYMPATHIKUS

Unser visuelles System ist in der digitalisierten und konsumorientierten Welt einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt. Das hat mit den vielen Dingen zu tun, die sich über unsere Bildschirme bewegen, wenn wir rauf und runter scrollen oder auch mit den vielen Werbeflächen die an uns vorbeiziehen, wenn wir uns durch die Welt bewegen. Auch wenn wir nicht bewusst darauf achten, sie nicht wirklich sehen, nimmt unser visuelles System sie wahr. Das Auge schickt diese Bildsignale kontinuierlich ans Gehirn, das diese nicht einfach ablegt, sondern aktiv verarbeitet und integriert. 

Diese ständige Überstimulierung hält den Sympathikus in Arbeitsbereitschaft. Er ist Teil des vegetativen Nervensystems.  Dieses steuert autonom, also ohne unseren Willen, die lebensnotwendigen Funktionen unseres Körpers.  Zwei der drei Teilbereiche des vegetativen Nervensystems sind die sich ergänzenden Zweige von Sympathikus und Parasympathikus. Die Basis für unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist ein gesundes Verhältnis der Aktivitäten dieser beiden Bereiche. Ein aktiver Sympathikus hält unseren Körper in Aktionsbereitschaft, im Tun, sogar im Alarmzustand. Ein aktiver Parasympathikus schafft den Ausgleich. Er schickt unseren Körper in eine Phase der Ruhe, Erholung und Regeneration. Als wichtigster Informationslieferant der Innenwahrnehmung dient der Vagus Nerv, der sich durch den ganzen Körper verzweigt und Signale aus allen Organen ins Gehirn liefert. Die Informationen aus dem Körperinneren werden auch beeinflusst durch unsere Außenwahrnehmungen: Das Sehen, Hören, Fühlen, … . Um also mehr in den Parasympathikus zu kommen, ist es auch hilfreich das visuelle System zu entspannen. Dies ist möglich in dem man einfach ins Grüne oder Blaue blickt, mit Augenübungen/Augenyoga oder dieser wie ich finde besonders hilfreichen Augenmassage, bei der die Ansatzpunkte der Augenmuskeln an den Knochenrändern der Augenhöhle massiert werden. 

Give it a try: Lass den Atem frei fließen, richte dich auf. Schließe deine Augen. Führe die Fingerkuppen an die Augenhöhlen und versuche die Knochen der Augenhöhle zu ertasten. Erkunde also zuerst das Gebiet der Ansatzpunkte der Augenmuskeln. Das ist vielleicht an einigen Stellen ungewohnt. Achte vor allem darauf nicht zu viel Druck mit den Fingern auszuüben, wenn du an Stellen kommst wo es unangenehm ist. Lass aber keinen Bereich oben oder unten aus. Versuch wirklich den Knochenrand zu erfühlen, also die Finger über den Knochen nach innen Richtung Auge gleiten lassen. 

Beginne dann am oberen Augenrand innen (nahe der Nase) mit der Massage, lege dafür den Finger an diesen oberen Ansatz und drücken diesen leicht für 3-5 Sekunden gegen den Knochen. Anschließend massiere den Muskelansatz hier für jeweils 3 Atemzüge im und gegen den Uhrzeigersinn. Wandere dann mit den Fingern an den oberen mittigen Ansatz und wiederhole hier die Technik mit Leichtdrücken und anschließendem Kreisen.  Danach lass die Finger zum oberen äußeren Rand kommen. Massiere auch hier entsprechend. 

Wechsle dann zum unteren Rand und beginne die 3 Etappen am äußeren Rand. Beende die Massageübung am Knochenansatz in der Mitte nahe der Nase. 

Was kannst du während der Massage wahrnehmen? Welche Empfindungen gibt es an den Ansatzpunkten der Augenmuskeln an den Knochenrändern? Registrierst du Stellen wo ein unangenehmes oder angenehmes Gefühl auftritt? Kannst du diese einfach so annehmen ohne sie weiter zu beurteilen? Gibt es einen Effekt/eine Empfindung die mehr aus dem Kopfinneren kommt oder von der Stirn oder den Wangenbereichen? Was kannst du bemerken, wenn du die Augen öffnest? Hat sich am Blickfeld, an der Schärfe, den Farben die dich umgeben etwas geändert? Gibt es Gedanken / Antworten oder noch mehr Fragen, die bei dieser Massage auftauchen? Was findest du interessant? Was macht dich neugierig in Bezug auf deine Augen, ihre Leistung und die des Gehirns?

 

Hier noch ein Link mit eine Anleitung für die Augenmassage und Yoga-Augen-Übungen. Pinkzebra Yoga YouTube Channel 

 


shen men massage

Meine Ohren waren bisher nur ein Thema als ich vor einigen Jahren an Tinnitus litt. Meine TCM Ärztin behandelte mit Akupunktur nicht nur mein Ohr, sondern auch andere Punkte an Händen und Füssen.

 

Bei welcher Recherche ich jedoch tatsächlich auf diesen Ohrakupressur Punkt gestoßen bin, weiss ich gar nicht mehr genau. Ich spreche vom Shen Men Punkt.  Er befindet sich im oberen Bereich der Ohr Muschel, wo sich der Anti-Helix in eine kleine Gabelung (eine Dreiecksspitze) aufsplittet. In diesem Areal zu massieren hilft Stress abzubauen, bei Angst und Unruhe, wenn du dich energielos und müde fühlst.

 

Eine Massage an diesem Punkt ist jedenfalls wohltuend für Körper, Seele und Geist. 

 

Give it a try: Den Shen-Men-Punkt ein- bis zweimal täglich für eine Minute oder je nach Wohlbefinden auch länger stimulieren. Einfach den Zeigefinger am Bereich hinter der Ohrmuschel platzieren und den Daumen vorn auf den Punkt legen, den Daumen kreisen lassen.  

Kannst du den Punkt gut ertasten? 

Lässt sich dein Daumen dort gut nieder?

Wie fühlt es sich an einfach eine Berührung dort zu setzen? Und was kannst du im gesamten Ohrbereich (innen und aussen) spüren, wenn du hier stimulierst? 

Beobachte deinen Atemstrom (Geschwindigkeit und Dauer) vor und nach der Massage. Hat sich etwas verändert?

Kannst du dich / deine innere Stimme vielleicht besser hören, wenn du die Massage regelmässig durchführst? 

Fühlst dich weniger von inneren und äußeren Stressoren unter Druck gesetzt?

Entspannt sich vielleicht dein Kiefer und die gesamte Gesichtsmuskulatur mit dieser Massage? 

Probiere sie auch mal bei Kopfschmerzen aus.

 


EIN GEDANKE AM TAG - NotizBUCH

60.000 Gedanken pro Tag produziert unser Gehirn. Dass im Stübchen oben viel los ist, das wissen wir zwar, aber das Ausmaß dessen was da an Geschichten erzählt wird, das eröffnet sich für viele erst, wenn sie sich in Stille hinsetzen und ihren Gedanken beim Entstehen und Vergehen zuhören. 

Nun ein Großteil ist nur eine Wiederholung von dem was wir bereits mal gedacht haben. Also nicht viel Neues da oben.

 

Seit Mitte März 2020 führe ich meine "Ein Gedanke am Tag" Notizheft, das ich in einer Achtsamkeitszeitschrift entdeckt habe. Jetzt am 25. Tag blättere ich mal durch und erkennen selbst hier die Wiederholungen, aber auch Entwicklungen, Pläne, Unsicherheiten, Ideen und Dankbarkeitsnotizen, die meine Tage bestimmt haben. Welchen Gedanke auswählen vom Vortag? das frage ich mich jetzt immer morgens und reflektiere dabei was in meinem Geist alles los ist. Der eine Gedanken, der es jeweils aufs Papier schafft dem wohnt ein Zauber inne, denn es ist ein Gedanke der zur Wahrheit und Realität wurde, schliesslich steht er nun schwarz auf bunt vor mir.  Das gibt meinen Kopf Klarheit und Ruhe. Und manchmal auch die Erkenntnis: Glaube nicht alles was du denkst. Gedanken sind wirklich nur Gedanken. 

Give it a try: Besorg dir ein schönes kleines Büchlein, oder hefte auch nur ein paar Zetteln zusammen. Wenn du zu den Kreativen unter uns gehörst dekoriere das Büchlein mit Zeichnungen, Aufklebern,.... 

Frage dich jeden Morgen oder jeweils am Abend vorm zu Bett gehen, welchen Gedanken vom Vortag/Tag möchtest du notiert wissen? In welcher Art reflektierst du? Kommen auch "unschöne" Gedanken aufs Papier? Versuchst du dich an "Positiven" festzuhalten und "Negatives" auszublenden? In welcher Art und Weise unterstützt dich diese Reflexion am Morgen in den neuen Tag zu gehen oder am Abend den Tag abzuschliessen? Was geht in dir vor,  was entdeckst du wenn du nach einiger Zeit über die Notizen blätterst?