MEDITATION

...ist nicht was du denkst. Komm in Berührung mit dEINEM Inneren.


lauschen im alltag

Der Hörsinn verarbeitet 50 Eindrücke pro Sekunde und damit doppelt so viele wie das Auge. Das scheint im ersten Moment zwar unglaublich, weil unsere Augen besonders vielen visuellen Eindrücken ausgesetzt sind und wir über diese Sinnesstimulierung bereits eine ganze Menge an Informationen im Gehirn verarbeiten. Aber das, was zu hören ist, sind nicht nur Hintergrundgeräusche oder gesprochene Worte, denn auch wenn es uns nicht bewusst ist, so unterscheidet das Ohr an die 400.000 Töne und kann ziemlich präzise bestimmen woher das Gehörte kommt. Stressforschungen nennen Lärmbelästigung als eine Ursache von körperlichen Stressreaktionen, die sich in Folge auch schädlich auf Herz und Kreislauf auswirken. Vielleicht blenden Menschen Umgebungsgeräusche auch deshalb im Bewusstsein aus oder sehnen sich nach der angeblichen Stille während der Meditation. Wer Achtsamkeitsmeditation praktiziert weiß allerdings das Stille eine Illusion ist, dass es eigentlich darum geht wahrzunehmen, was ans Ohr tritt und zu sehen, was das mit uns macht. Sozusagen, die (Stress)reaktion zu beobachten: Vom Erkennen der Präferenz oder der Ablehnung für ein Geräusch, vom dazugehörigen Auftauchen von Bildern und Gedanken im Geist, bis hin zu einem körperlichen Entspannen oder Verkrampfen. Nicht von ungefähr liegt auch der Gleichgewichtssinn im Ohr. Manches Gehörte bringt uns wörtlich aus der Balance. Weil das Hören im Alltag zwar automatisch abläuft, wir es aber mit Bewusstsein füllen können, mag es möglicherweise hilfreich sein, es als Lauschen zu bezeichnen. Ein bewusstes Innehalten und Lauschen - in die Umgebung und in dich hinein. 

Give it a try:  Hast du schon mal bewusst in deinen Alltag hineingehört? Lauschen im Alltag kann eine kurze Meditation sein, die einige achtsame Atemzüge schenkt.  Ein kurzer Moment des Aufblickens vom Bildschirm, weil die Sonne den Holzrahmen des Fensters so intensiv anstrahlt und es in diesem Moment ein knackendes Geräusch im Holz gibt. Es reißt mich aus meinem Schreiben, da ist ein kleines Zucken im Körper. Ich versuche den Ort des Knackens zu orten. Lausche, ob erneut ein Knacken kommt, aber das tut es nicht, stattdessen, springt die Therme an und das beginnt ebenso mit einem Knacken, dann ein Surren. Und dann knackt der Holzrahmen erneut. Dann lass ich die Momente des Lauschens in mich einsinken, werde selbst ganz weich im Körper und da nehme ich ein schon immer da gewesenes summendes Geräusch von irgendwo Draußen wahr. Ein beständiges Tönen, das wohl von einer Maschine kommt die läuft. Der Fensterrahmen knackt zum wiederholten Mal, die Kälte löst sich dank der Sonnenwärme auf. Mein Fingernagel knarzt über den Buchstaben F der Tastatur. Ich tippe weiter, hören den Anschlag der Finger auf dem Keyboard, erinnere mich wie das Früher auf der mechanischen und dann der elektrischen Schreibmaschine war. In diesem beflügelten Augenblick der Vielfältigkeit sich verändernder Geräusche, denke ich, ich kann die Sonne hören, genauso wie ich am Vortag den Schnee fallen hörte. Aber dann tritt das Ticken einer Uhr an mein Gehör und ich lausche einige Atemzüge dem regelmäßigen Schritttempo des Zeigers. Er macht nur seine endlosen Runden, kommt eigentlich nicht weiter voran, trotzdem läuft bei uns der Tag vorbei mit alle seinen Geräuschen des Morgens des Mittags und des Abends. Ich schließe die Augen höre entfernte Geräusche der Stadt und ein Knacken aus einem anderen Raum. Manche Geräusche sind lauter, andere leiser, manche beständig, andere punktuell, manche sind wie ein auf und ab und manche ganz monoton, manche tauchen aus dem Nichts auf, andere erzeuge ich durch mein Tun. 

Unterbrich dein Tun, wenn ein Geräusch deine Tätigkeit unterbricht und lausche allem was an dein Ohr tritt, ohne nach etwas zu suchen. Was kannst du hören? Welche Bilder und Gedanken erzeugt das Gehörte? Kannst du Ablehnung oder Wohlwollen oder Neutralität den Geräusche gegenüber feststellen?  Kannst du eine körperliche Reaktion auf das Gehörte erkennen? Ist es möglich deine Welt der Geräusche mit neuen Ohren zu entdecken?


ZazEN

Zazen das ist die sitzende Meditation. Zu Beginn meines Sommeraufenthalts im buddhistisch/christlichen Kloster plagten mich Rücken- und Hüftschmerzen, mein Körper hatte seine Aufrichtung und Einrichtung noch nicht gefunden. Die Hausgemeinschaft saß gemeinsam morgens, nachmittags und abends mit dem Blick gegen die Holzwand. Alle schienen bereits ihren ruhigen Geist und die perfekte Sitzhaltung gefunden zu haben. Nur ich nicht. Anfangs dachte ich, ich würde nach 2 Wochen vielleicht doch wieder heimfahren, doch langsam und auch fast unbemerkt, richtet sich alles beim Sitzen ein, bis ich nach 3 Wochen plötzlich bemerkte, dass ich schon seit Tagen keine Schmerzen mehr hatte und die Sammlung und Konzentration des Geistes in eine Weite übergegangen war, an dich ich eingangs nicht geglaubt hatte. Da stellte ich fest, dass mein Bemühen perfekt zu sitzen und den Atem unentwegt zu beobachten der Sammlung meines Geistes nicht dienlich war - denn es war unmöglich diese Perfektion zu erreichen. So hatte ich instinktiv aufgegeben dieser Perfektion zu folgen und bin einfach dem Ritual SITZEN GEHEN gefolgt. Einfach sitzen. Mit krummen Rücken, mit Phantasien im Geist. Ich hatte das Ziel losgelassen und da begannen sich Körper und Geist selbst zu überholen und anzukommen. Im Hier und Jetzt. 

Give it a try: Du hast noch nie Sitzmeditation probiert? Das ist perfekt, denn dann begegnest du ihr mit Anfängergeist - d.h. unvoreingenommen. Finde einen Platz wo du dich niederlassen kannst. Entweder im Fersen-, Schneider-, Burmesischen Sitz, in einer Lotusvariante oder auch nur auf einem Stuhl oder einer Bank mit den Füssen fest am Boden. 

Was begegnet dir körperlich? Was kannst du an der Bein, Becken, Schulter, Arm, Kopfstellung verändern? Und wie wirkt sich das körperlich in den Gelenken, Muskeln und Faszien aus? Was begegnet dir beim Beobachten des Atems während du einfach sitzt? Wie oft schweifen die Gedanken ab? Und wie reagiert der Geist auf das Bemerken dieses Abschweifens?  Wie lange kannst und magst du sitzen? Ist die Dauer der Sitzmeditation mit einer Leistung verbunden? Gibt es da die Parole des Durchhaltens? Wie fühlt sich das an die Zeit zu überdauern oder auch nicht?