BEWEGUNG

Veränderung von Lage, Stellung, Haltung.


Barfuss gehen

Als Bauernhofkind war das Wort Schuhe - zumindest im Sommer - ein Fremdwort für mich. Am liebsten steckte ich meine Zehen in die frisch beregnete Erde am Feld. Der Matsch klebte zwischen meinen Zehen, die Füße wurden beim Durchwaten des Ackers immer schwerer, weil mehr und mehr Erde daran hängen blieb. Durch das Feld laufen war ein Spaß. Auch am Hof und beim Spielen auf der Straße, selbst am Rad war ich fast nur barfuß unterwegs. Über Steine, Asphalt, Gras das war alles selbstverständlich. Natürlich hatte ich viele Verletzungen an den Füßen. War mal wieder in ein Glas gestiegen oder habe die Zehen an einem Stein aufgeschürft. Das gehörte auch eben auch dazu. Die natürliche Ausdehnung meiner Füße hatte auch Folgen für mein späteres Leben, sie ließen sich nämlich nicht mehr in diese spitzen, hochhackigen Schuhe zwängen, die so selbstverständlich für alle Mädchen meines Alters waren. Meine Schuhe haben mir selten wirklich gepasst. Irgendwo gab es immer Druckstellen oder Blasen. Die Bequemlichkeit musste siegen und so habe ich fast nur Ballerinas getragen. Barfuss in der Stadt war nicht. Leider war dieses Schuhwerk rückschauend auch nicht das Gelbe vom Ei. Meine Rezeptoren und kleinen Fußmuskeln verkümmerten. Ein Halux entwickelte sich, der Fuß zog sich zusammen, selbst in Ballerinas bin ich ständig umgeknickt und ich bewegte mich auf recht kleinen Füßen durchs Leben, die nur im Schuhausverkauf ein Glück waren, weil ich immer noch ein Paar in meiner Größe bekam. Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mit Fuß Übungen (sitze zum Beispiel jetzt am Schreibtisch und rolle meine Füße über einen Massageball – herrlich) und diesen Sommer bin ich auch wieder ganz bewusst viel barfuß.  

Give it a try: Schuhe ausziehen, Socken weg, Hornhaut und Zehennägel prüfend einfach mal einen Blick auf den ganzen Fuß werfen. Die Zehen vielleicht eingerollt und der Zehenstand eng? Zuerst mal bewusst spüren, wohin sich das Gewicht im rechten und im linken Fuß schiebt. Denn ja das muss nicht identisch ausfallen. Mehr Zehen? Mehr Fersen? Mehr Innen- oder mehr Außenkante? Einfach ein paar Schritte gehen. Wie rollt der linke Fuß ab, wie der rechte? Ist da überhaupt ein Rollen? Oder nur ein plattes aufsetzen? Setzt du zuerst die Ferse auf? Oder die Zehen? Dann über unterschiedliche Untergründe gehen. Steinboden, Fliesen, Holzboden, Teppich, sonnengewärmten Boden, schattigen Boden, Kiesel, Sand, Steine, Felsen, Gras gepflegt, ungepflegt, Erde nass und trocken. Wenn ich von gehen sprechen, dann meine langsames aufsetzen, abrollen und voranschreiten, sodass es möglich ist zu merken, wie sich der Fuß ausdehnt oder zusammenzieht, wie er Unebenheiten an unterschiedlichen Stellen muskulär ausgleicht und in der Lage ist die Stabilität des Körpers zu erhalten in dem er an einer Stelle mal mehr entspannt an einer anderen mehr anspannt. Das Wunder der vielen Rezeptoren an den Fußsohlen erkennen, die ganz präzise auf das Erleben des Untergrunds reagieren können. 

Wie geht es dir damit deine Füße zu entblößen? Sie sind so weit weg vom Kopf, weshalb wir uns vielleicht auch nicht so sehr damit beschäftigen. Denkst du im Alltag mal öfter an deine Füße und was ihnen guttun könnte? Was erkennst du an der Gewichtsverteilung in den Sohlen und deren Abrollen? Gehst du Leichtfüßig durchs Leben und erkennst das vielleicht beim Aufsetzen und Abrollen von den Zehen zur Ferse? Gehst du festen Schritts und rammst die Ferse in den Boden bevor du die Zehen ankommen lässt? Trittst du vielleicht platt auf und gehst auch so im Umgang mit anderen durchs Leben? Ja, was kannst du in deinem Alltag an dir erkennen, was sich schon am Barfußgehen abzeichnet. Und vielleicht erkennst du ein anderes Gehverhalten ohne Schuhe? Wie stehst du zu deinen Füßen nachdem du einige Zeit bewusst bloßfüßig gelaufen bist? Entwickelst du möglicherweise Mitgefühl für sie, weil ihre Leistung einem einengenden Schuh sonst zu wenig beachtet wird? Merkst du die Anstrengung in der Fuß- und Beinmuskulatur? Vielleicht sogar eine ganz andere Aufrichtung? Was könntest du ihnen Gutes tun?

 


Gehen mit hund

Früher (also bis weit ins 19. Jahrhundert hinein) war es für die meisten Menschen durchaus normal zwischen 8 und 25 Kilometer am Tag zu gehen. Heute da sitzen wir viel und gehen ist für manche gleichbedeutend mit wandern also Sport- und Freizeitvergnügen.  Dass es da oftmals gleich wieder um Leistung geht, beweisen Wettbewerbe wie die Burgenland Extrem Tour bei der bis zu 120 Winterkilometer um den Neusiedler See in 24h zurückgelegt werden. 

Ich hingegen gehe meist nur mit Hund eine Runde. Oder besser gesagt, er leitet mich - weg von der Arbeit hinaus in die Natur und geht mit mir eine Runde über Wiesen, Wälder und Felder. Er hängt an einer Laufleine um meine Taille. Ich habe meine Hände frei und weil wir so auf gleiche Art und Weise verbunden sind, gehen wir auch gemeinsam anstatt, dass irgendjemand pausenlos angibt welchen Weg wir einschlagen. Ganz ehrlich im Prinzip bestimmt er die meiste Zeit den Weg aber wir beide gemeinsam das Tempo. Wenn er davon zieht und ich nicht Schritt halten kann, dann läuft er ZickZack Linien, sodass ich mithalten kann. Wenn er stehen bleibt um eine Fährte zu erschnüffeln, dann stehe ich mit lockerer Leine. Kein Zug des Weitergehens bis er soweit ist. So haben wir uns prima aneinander angepasst, ja wir bewegen uns ganz einig und abgestimmt durch die flache Landschaft. Wenn wir zu Hause ankommen, dann legt er sich im Hof nieder und schaut ganz wach in die Luft. Man merkt ihm richtig an, wie er seine Zeit zum Ankommen nimmt, wie er seine Nase in die Luft steckt ohne etwas zu erwarten, wie er sein zu Hause wieder einnimmt mit all seinem Zen-Sein. 

Give it a try: Mit einem Hund zu gehen kann auf viele Arten geschehen, die einen Zerren den Hund ihren eigenen Wegwillen nach, die anderen kommen ihrem Hund gar nicht hinterher. Wieder andere lassen ihn frei laufen, weil er prima abgerichtet ist. Egal ob du mit deinem eigenen Hund gehen kannst oder dich mal jemand anschliesst der einen Hund hat. Gehen mit Hund kann ein wunderbare Achtsamkeitsübung sein. 

Wer geht voraus? Kannst du die Führung dem Hund überlassen? Wann wechselt die Führung? Hat das mit Ungeduld zu tun? Oder vielleicht mit Kontrolle? Ist es möglich gemeinsam zu gehen?  Was machst du während der Hund steht und Häufchen macht oder schnüffelt? Kannst du diese Pause geniessen? Was beobachtest du in deiner Umgebung? Wohin gehen deine Gedanken beim Stehen, beim langsamen und schnellen Gehen, beim Anpassen von Leinenlänge, Geschwindigkeit, beim Ankommen daheim?